Von Wizzelsbach nach Weisbach - von 1326 bis 2026
Die Geschichte von Weisbach lässt sich bis in das Jahr 1326 zurückverfolgen, als das Dorf unter dem Namen „Wizzelsbach“ erstmals in einer Schiedsurkunde über Waldnutzungsrechte auftauchte. Historiker vermuten jedoch, dass die eigentliche Besiedlung bereits im 10. oder 11. Jahrhundert durch Rodungen auf den Odenwälder Höhen begann. Möglicherweise war es ein Mann namens Wizzilo, der sich mit seiner Familie an dem vorteilhaften Platz am Bach niederließ und so zum Namensgeber des Ortes wurde. Über Jahrhunderte hinweg war das Schicksal des Dorfes eng mit den Herren von Zwingenberg verknüpft, die als Grundherren die Geschicke der bäuerlichen Gemeinschaft leiteten. Heute erinnert das Gemeindewappen mit den drei Schwanenhälsen der Zwingenberger stolz an diese tiefe Verwurzelung in der mittelalterlichen Geschichte des Winterhauchs.
Kriege und harte Zeiten
Der 30-jährige Krieg: Vor diesem verheerenden Krieg erlebte der Winterhauch eine Blütezeit, insbesondere in der Viehzucht. Doch ab 1622 brachten Truppendurchzüge, wie die des Feldherrn Tilly, Not und Zerstörung. Ein altes Kinderlied aus dieser Zeit ("Der Schwed is komme...") erinnert noch heute an die Angst der Bevölkerung vor den Soldaten.
Die Weltkriege: Das Schicksal der gefallenen und vermissten Söhne des Dorfes wird durch das Kriegerdenkmal im Ort gewürdigt, das ein zentraler Ort des Gedenkens ist.
Einzug der Moderne
Wasserversorgung: Ein Meilenstein für die Lebensqualität im Dorf war der Ausbau der zentralen Wasserversorgung. Früher war der namensgebende Bach die Lebensader, doch die technische Erschließung beendete das mühsame Wasserholen an Brunnen.
Milchsammelstelle und Lagerhaus: Diese Einrichtungen waren früher das wirtschaftliche Herzstück des Dorfes. Sie symbolisieren den Übergang von der reinen Selbstversorgung hin zu einer organisierten landwirtschaftlichen Gemeinschaft.
Bildung und Glaube
Weisbacher Schule: Die Dorfschule war nicht nur ein Ort des Lernens, sondern oft auch der kulturelle Mittelpunkt, an dem Lehrer wie der langjährige Oberlehrer Heinrich Nonnenmacher das Dorfleben aktiv mitgestalteten. Erstmalig wurde 1757 eine Winterschule erwähnt. Ab 1973 mussten die Schüler dann in die gemeinsame Grund- und Hauptschule nach Strümpfelbrunn.
Das Kirchenwesen: Die evangelische Kirche in Weisbach ist ein Ankerpunkt der Gemeinde. Die Geschichte des Kirchenwesens zeigt, wie tief der Glaube im Alltag der Odenwälder verwurzelt war und ist. Der erste und zweite Weltkrieg verhinderte einen Baue der Kirche. So dass erst im Jahr 1954 mit dem Bau der Kirche begonnen werden konnte.
Dorfgeschehen
Strohflechterei: Ein spannendes Detail der Geschichte ist der Versuch, die Strohflechterei als Heimindustrie einzuführen. Dies war ein Versuch, den Menschen auf dem kargen Boden des Winterhauchs einen zusätzlichen Verdienst zu ermöglichen.
Strohdächer: Bis weit in die neuere Zeit hinein waren Strohdächer typisch für die Architektur in Weisbach – sie sind heute Zeugen einer vergangenen Baukultur, die das Ortsbild einst prägte.
Vereinsleben: Ob Gesangverein, Sportclub oder Schützenverein – das dörfliche Miteinander findet seit jeher in den Vereinen seinen Ausdruck, die auch die tragende Säule der 700-Jahr-Feier bilden.
Quelle: Festschrift 650 Jahr Feier Weisbach (Festschrift 650 Jahr Feier.pdf)
